Ratgeber Motorrad und Moped im Winter


Wenn der Winter kommt, sehen sich Motorrad- und Mopedfahrer alljährlich mit derselben Frage konfrontiert: Soll das motorisierte Zweirad eingewintert oder winterfest gemacht und weitergefahren werden? Wir sagen euch, was in beiden Fällen zu tun ist, um euer Motorrad oder Moped optimal durch den Winter zu bringen.

1. Die Einwinterung – Winterpause für Motorrad und Moped


Die Einwinterung des Motorrads oder Mopeds dient seinem Substanz- und Werterhalt. "Einwinterung"bedeutet allerdings nicht, dass das Fahrzeug einfach in Keller oder Garage abgestellt wird, vielmehr sind einige vorbereitende Maßnahmen erforderlich.

Am Ende der Fahrsaison sollte das Motorrad oder Moped auf Mängel untersucht werden. Können diese nicht selber ausgebessert werden, empfiehlt es sich, notwendige Arbeiten in den Wintermonaten erledigen zu lassen, denn dann haben viele Werkstätten Kapazitäten frei.

Vor der Einwinterung sollte das Motorrad oder Moped gründlich gereinigt werden. Korrosionsgefährdete Bauteile sollten mit etwas Konservierungsmittel (Sprühöl) und Gummiteile mit einem Kunststoffpflegemittel behandelt werden. Die Antriebskette sollte gereinigt und neu gefettet werden.

Die Batterie sollte ausgebaut und an einem kühlen und trockenen Ort frostgeschützt gelagert werden. Der Ausbau ist empfehlenswert, damit die Batteriepole frei zugänglich sind, so dass die Batterie während der Winterpause ein- bis zweimal kurzfristig geladen werden kann, denn eine Selbstentladung der Batterie führt in der Regel zu ihrer dauerhaften Schädigung. Bei konventionellen Batterien sollte zudem der Säurestand geprüft werden. Gegebenenfalls ist bis zur oberen Füllhöhe destilliertes Wasser nachzufüllen.

Der Stand und die Konzentration der Kühlflüssigkeit sollte überprüft und gegebenenfalls Frostschutzmittel nachgefüllt werden.

Das alte Motoröl sollte abgelassen, der Ölfilter gewechselt und der Motor anschließend mit frischem Öl befüllt werden.

Wenn ein Vergaser vorhanden ist (also bei allen Modellen ohne Kraftstoff-Einspritzanlage), sind seine Schwimmerkammern vollständig zu leeren, da bereits Standzeiten von nur wenigen Monaten zu Ablagerungen an den Vergaserdüsen führen können, die eine aufwändige Reparatur erforderlich machen. Die Schwimmerkammern können geleert werden, indem der Benzinhahn am Ende der letzten Fahrt geschlossen und der Motor so lange weitergelaufen lassen wird, bis er von alleine ausgeht. Alternativ können die Schwimmerkammern auch bei stehendem Motor über die Ablassschrauben geleert werden. Das über Schläuche an der Fahrzeugunterseite ablaufende Benzin ist dort aufzufangen und in den Tank zu schütten. Anschließend die Ablassschrauben wieder schließen.

Motorrad- und Mopedtanks aus Stahlblech sollten bis zum oberen Rand gefüllt werden, da so der Bildung von Kondenswasser vorgebeugt wird, das zu Korrosion führen kann. Dem Kraftstoff sollte eine kleine Menge (ca. zwei Kappen) Brennspiritus zugegeben werden, da dieser eventuell auftretendes Kondenswasser bindet. Besitzt das Fahrzeug einen Tank aus Kunststoff, ist dieser dagegen vor der Einwinterung zu leeren, da Bestandteile des Kraftstoffes während der langen Ruhezeit sonst durch die Tankwand diffundieren könnten.

Während der längeren Winterstandzeit sollten die Räder weitgehend entlastet werden, um Verformungen zu verhindern. Dazu genügt (wenn vorhanden) der Hauptständer, andernfalls sind Montageständer zu empfehlen. Aus dem gleichen Grund sollte der Reifendruck leicht (um ca. 0,5 bar) erhöht werden.

Das Motorrad sollte in einem kühlen, trockenen und gut belüftetem Raum (etwa im Keller oder in der Garage) abgestellt und mit einer Decke abgedeckt werden. Da sich unter ihr sog. Schwitzwasser bilden kann, sollte zum Abdecken keine Plane verwendet werden.

2. Was bei der Fahrt im Winter zu beachten ist


Außer bei Schnee und Eis können Motorrad und Moped oft auch im Winter gefahren werden. Damit die Winterfahrt keine Schäden an der Maschine hervorruft und für den Fahrer sicher und so angenehm wie möglich bleibt, sind jedoch eine Reihe besonderer Maßnahmen zu ergreifen.

Nach der Straßenverkehrsordnung (StVO) dürfen alle Kraftfahrzeuge bei Schneematsch, Schneeglätte und Glatteis nur mit Reifen gefahren werden, die über eine M+S-Kennzeichnung (für: "Matsch und Schnee") verfügen (§ 2 IIIa 1 StVO) und umgangssprachlich auch "Winterreifen" genannt werden.

Auch beim im Winter weiter gefahrenen Motorrad oder Moped sollte dem Kraftstoff eine kleine Menge (ca. zwei Kappen) Brennspiritus zugegeben werden, da dieser eventuell auftretendes Kondenswasser bindet und so verhindert, dass Tank oder Vergaser gefrieren.

Im Winter sind besonders Streusalz und Splitt der Feind jedes Motorrad- und Mopedfahrers. Splitt beschädigt den Lack, und Streusalz führt zur Korrosion. Nach der Fahrt sollte das Motorrad oder Moped daher mit einem Reinigungsmittel gewaschen und anschließend mit klarem Wasser abgespült werden. Regelmäßig sollten zudem Lackpflegemittel, Rostschutz, Lederfett und ein Kettenspray verwendet werden.

Lenkerstulpen, die auf dem Lenker montiert werden, schützen die Hände vor Nässe und Kälte, und eine Frontscheibe vor dem kalten Fahrtwind.

Im Winter ist die richtige Bekleidung besonders wichtig. Empfehlenswert sind Thermowäsche und Thermokombis, auch eine Sturmhaube, eine Halskrause, Handschuhe, ein Nierengurt und Stiefel sollten im Winter zur Ausrüstung gehören. Bei Mopeds bietet eine Kniedecke zusätzlichen Schutz.


Bildquelle: https://unsplash.com/photos/yNaGxHqjOuw | von Ali Inay